Gründe, warum die Berner das erste Spiel für sich entscheiden konnten, sah man genügend auf dem Feld. Wieso aber die Unterklassigen in vielen Belangen besser waren, bleibt wohl aus Reinacher Sicht ein Rätsel. Coach Svensson und sein Team haben nun am Sonntag Gelegenheit, diese Scharte ausbessern.
Hohe Unihockeykunst bekamen die Zuschauer am Freitag abend nicht geboten. Das Spiel lebte primär von der Spannung, da kein Team das Spiel dominierte und weder Lok noch die Caps zwischendurch entscheidend in Führung gingen.
Noch vor dem Spiel war man auf Reinacher Seite - auch nach 16 Niederlagen in der Meisterschaft - recht zuversichtlich, diese Serie nicht mit einer Niederlage zu beginnen. Es sprachen einige Faktoren für Reinach, aber kommt man so einfach aus dieser Negativspirale heraus? Wie werden die Reinacher auf dem Feld agieren, wenn sie gegen einen vermeintlich schächeren Gegner das Spiel machen müssen?
Schwaches Startdrittel
Der Beginn des Aufeinandertreffens war, wie soll man es den Spielern nach einem Arbeitstag verübeln, auf beiden sehr harzig. Im Startdrittel waren die Wynentaler sicherlich das dominierendere Team hatten aber im Spielaufbau immer wieder Mühe, musste man doch die ganze Saison nie das Spiel machen. Mit zwei Weitschüssen von Thomas Näf und Philipp Merki ging man aus Reinacher Sicht gemäss Fahrplan in Führung. Die Berner verkürzten noch vor der Pause mit einem Lupfer aus spitzem Winkel über Torhüter Cazzato.
Magnus Hedlund im Überzahlspiel eingesetzt
Ab dem Mitteldrittel waren die Spielanteile ausgeglichen. Mit zwei Toren innert zwei Minuten kehrten die Caps den Spielstand. Vor allem beim Führungstreffer des Unterklassigen konnte man kaum verstehen, wie passiv sich die Reinacher verhielten. Söldner Markus Johansson kam in der eigenen Platzhälfte in Ballbesitz. Er umkurvte zwei Reinacher und schoss den Ball von der Seite an Verteidiger und Torhüter vorbei. Kurz danach konnte Lok zum ersten mal an diesem Abend in Überzahl agieren. Magnus Hedlund wurde wiederum, wie im letzten Spiel, nur in Überzahl eingesetzt. Sympthomatisch für das Reinacher Spiel konnte Näf mit einem Weitschuss in nummerischer Überlegenheit den Spielstand vor dem letzten Seitenwechsel ausgleichen.
Mühe im Reinacher Spielaufbau
Mühe bekundeten die Aargauer im Spielaufbau, war man doch während der gesamten Saison nicht dasjenige Team, welches das Spiel machen musste. Da in den Reihen von Lok gute Anspielstationen fehlten, wurde der Ball vielfach weit nach vorne geschlagen. Die Berner spielten in der Deffensive aber konsequent auf Mann. Stürmer Michael Merki fügt dann auch noch hinzu, dass in den Ecken der ballführenden Spieler sofort gedoppelt wurde. Die meisten Angriffsbemühungen von Lok blieben somit im Sande stecken. Auch waren die Caps meistens einen Schritt schneller als die Reinacher Akteure. Vom typischen Konterspiel der Reinacher war im ersten Aufeinandertreffen nicht viel zu sehen. Die Berner waren in der Verteidigung hellwach und wie schon erwähnt immer einen Schritt schneller. Dätwyler brachte Lok mit einer schönen Einzelleistung nochmals in Führung, ehe Bern fünf Minuten vor Schluss ausglich und eine Minute vor Spielschluss den Siegestreffer erzielte.
Beim Ausgleich liess man wiederum den gegnerischen ballführenden Spieler gewähren und beim Treffer, welcher die Niederlage Loks besiegelte entstand aus einem Freischlag vor dem Reinacher Tor, wo man doch wusste, wie die Caps ihre Freischläge ausführen. Fünf Sekunden vor dem berner Siegestreffer nahm Coach Svensson noch ein Timeout, welches wie vieles nicht an diesem abend dem Reinacher Spiel zu Gute kam. In der letzten Minute wurde Goalie Cazzato teilweise durch einen sechsten Feldspieler ersetzt, aber auch auf Biegen und Brechen kam Lok nicht mehr zum Ausgleich. Die Berner verteidigten viel zu geschickt und konnten den Ball auch in der Offensivzone halten ohne nochmals in Gefahr zu kommen.
Bern besser auf Reinach eingestellt
Die Gastgeber waren sicher besser motiviert als Lok, hatten sie doch nichts zu verlieren. Einige Reinacher kamen mit der Situation wohl nicht ganz klar, auf einmal das Spiel machen zu müssen und nicht nur zu verteidigen und zu kontern. Anscheinden hatten sich die Cap genau über die Spielweise von Lok schlau gemacht. Während der gesamten Spieldauer sah man nicht ansatzweise einen erfolgsversprechenden Konter von Reinach. Die während der Saison erfolgsversprechenden Weitschüsse aus der zweiten Reihe konnte man ebenfalls an einer Hand abzählen. Im Mittelfeld wurde der Ballführende sofort attakiert und in seiner Aktion gestört, so dass dann auch der erste Pass im Aufbauspiel vielfach nicht präzis war. Zwei Tore konnte Näf trotzdem aus der zweiten Reihe erzielen.
Am Sonntag kann zu hause die Serie ausgeglichen werden
Die Berner waren spielerisch nicht besser als Reinach. Wenn man aber meint die Serie locker ohne Niederlage zu gewinnen, muss sich wohl jeder Spieler ernsthaft hinterfragen, warum man so viel Zeit in diesen attraktiven Sport investiert und wenn es drauf ankommt, nicht bereit ist, 100 Prozent zu geben. Bleibt zu hoffen, dass Lok nicht entgleist, nun definitiv auf Betriebstemperatur ist und dass sich die Einstellung der Spieler um 180 Grad ändert. Dass man diese Serie nicht mit aller Ernsthaftigkeit anging, war auch nach dem Spiel zu sehen, als kaum ein Aargauer auslief und sich hoffentlich nicht schon einen Nachteil für das Spiel am Sonntag verschaffte.








