Gute drei Jahre ist es her, als Magnus Svensson beim UHC Lok Reinach seinen Vertrag unterschrieben hat. Reinach war gerade aus der damaligen Nationalliga A gegen Grünenmatt abgestiegen, und wichtige Teamstützen wie Alain Wyder, Petteri Luokkanen, Daniel Pappi und Michael Hafner verliessen den Verein. Eine Herausforderung für den Verein, und eine Herausforderung, die der 37-jährige Schwede suchte. "Ich brauchte damals nach zwei Jahren Waldkirch St. Gallen einen Wechsel", erklärt er. Seine gute Freundschaft zu Reinachs Stürmer Magnus Hedlund war schliesslich der Hauptgrund, dass er zu Lok Reinach wechselte. Zum gleichen Zeitpunkt verpflichtete Lok Reinach auch Maurizio Mastropietro als U21-Coach, was sich in der Zukunft als brillanter Schachzug erweisen sollte.
Für die Saison 2007/2008 stellte Svensson ein Team um die drei Stars Daniel Dätwyler, Hedlund und Reto Schnidrig zusammen. "Wir hatten viele Spielerwechsel während dieser Zeit, manche schafften es ins Team, andere nicht", sagt Svensson. Wegen einer langwierigen Wadenverletzung stand er persönlich auch nicht mehr auf dem Feld. "Meine beiden letzten Saisons als Spieler waren schrecklich." Obwohl der Saisonstart für Lok Reinach hart gewesen sei, wurde das Team in der Abstiegspoule immer stärker. "Nicht zuletzt dank des Comebacks von André Huser zur Saisonhälfte. Dieser bescherte den Oberwynentalern einige wichtige Treffer. Vielleicht waren es gerade diese widrigen Umstände, die Svenssons Aufnahme im Verein so einfach gestaltet hatten. "Das Team war am Boden und musste sich an etwas halten. Dieses Etwas war zu diesem Zeitpunkt ich. "Ich habe mich in diesem Team von Anfang an wohl gefühlt, dies auch dank der tatkräftigen Unterstützung von Spielern und Vorstand."
Der Aufstieg
In der darauffolgenden Saison gab es in der Mannschaft nur marginale Änderungen. Geigers Abgang konnte aber durch den hervorragenden Mikael Jakobsson mehr als kompensiert werden. Und schliesslich kehrte auch Torhüter Fernando Cazzato ins Team zurück. "Er trug massgeblich zum Sieg in den Playoffs bei", ist sich Svensson sicher. Licht wirft aber meistens auch Schatten. "Vor Weihnachten hatten wir keinen Rhythmus mehr im Spiel und waren nicht sehr erfolgreich." Differenzen mit dem damaligen Captain Schnidrig führten zu dessen Abgang während der Weihnachtspause. "In einer Mannschaft gibt es immer Konflikte, im Speziellen in dynamischen Gruppierungen." Svensson bedauerte den Weggang Schnidrigs, er sei ein hervorragendender Captain und Spieler gewesen.
Trotz der Differenzen im Team steigerte es seine Leistung. Das Resultat: Der Aufstieg in die Swiss Mobiliar League (SML). Gleichzeitig stiegen auch Mastropietros U21-Junioren in die höchste Spielklasse auf, was kombiniert etwa gleichbedeutend mit der erfolgreichsten Saison in der Vereinsgeschichte ist. Was war denn der Grösste Erfolg aus Svenssons Sicht? "Natürlich der Aufstieg. Aber ich bin auch stolz, dass wir trotz allen Widrigkeiten unseren Teamgedanken nie verloren haben." Auch in der jetzt gerade abgelaufenen Saison habe sich Lok von Anfang an auf die Play-Outs fokussiert und habe am Saisonende die grösste Energie und Inspiration gehabt. "Dies war nicht selbstverständlich. Jedermann, der eine solche Niederlagenserie verkraften musste, weiss, wovon ich spreche."
Die Bestätigung
Die letzte SML-Saison bestritten die Reinacher als krasse Aussenseiter. Die Abgänge von Jakobsson und Huser wogen schwer, Hedlunds Verletzung zu Saisonbeginn entwickelte sich zu einem Dauerthema. Verstärkt wurde das Team von Jimmy Gustafsson, der sich im Laufe der Saison zu einem Schlüsselspieler entwickelte. Mit jungen und unerfahrenen Spielern ist es aber dennoch gelungen, den Ligaerhalt zu realisieren. Und wieder: Auch die U21-Junioren schafften die Nichtabstieg aus der höchsten Liga. Wäre nicht die Tatsache, dass die Liga um zwei Teams erweitert wurde, könnte man diese Saison als die erfolgreichste der Vereinsgeschichte bezeichnen.
Was braucht denn Reinach, um vielleicht einmal künftig in den Playoffs zu stehen? "Wenn diese kurzfristig erreicht werden sollen, muss Reinach ein oder mehrere Spieler von internationalem Kaliber transferieren", sagt Svensson. Sicher sei, dass sich das Team als Ganzes weiterentwickeln müsse, um überhaupt den Ligaerhalt zu schaffen.
Svensson geht
Doch zum Schweizer Meistertitel wird Svensson Lok Reinach nicht mehr führen. Denn sein Traum ist ein anderer und dieser wird nun Realität. "Seit ich vor fünf Jahren in die Schweiz gekommen bin, will ich die Grasshoppers coachen." Als ihn GC nun kontaktierte, packte er die einmalige Chance beim Schopf - ansonsten hätte er einen Zweijahres-Vertrag mit Lok Reinach abgeschlossen. Bei GC hat er sich zum Ziel gesetzt, den Schweizer Meistertitel zu holen. "Ich will die jungen Spieler weiterentwickeln und die zukünftigen Stars des Swiss Unihockey in Zürich aufspüren und fördern." Der Schwede freut sich aufs Stadtleben und denkt noch nicht daran, wieder in seine Heimat zurückzukehren. "Zuerst will ich ein professioneller Coach sein. Unihockey ist mein Leben und so lange ich mich hier wohl fühle und bessere Entwicklungsmöglichkeiten habe, bleibe ich." Aber irgend eines Tages, sagt er, werde er wieder in den Norden ziehen.
Svensson dankt
"Tack så mycket för den här tiden!" sagt Svensson. Vielen Dank für diese Zeit. "Unihockeytechnisch habe ich die spannendsten drei Jahre meines Lebens in Reinach verbracht. Jede Saison war eine riesige Herausforderung. Wir machten von einem Abstiegsrunden-NLB - Team den Schritt zu einem SML-Team in den hinteren Regionen. Das tönt vielleicht nicht grossartig, ist aber für einen Verein mit geringen Spieler-Ressourcen wie sie im Aargau vorhanden sind, äusserst bemerkenswert. Wir konnten viele junge und talentierte Spieler der U21 einbinden.“ Nicht zuletzt verspricht das starke U21-Team Kontinuität auf dem Feld. Die U21-Mannschaft, die im Gleichschritt zum SML-Team Aufstieg und den Ligaerhalt geschafft hat, hat übrigens auch einen Abgang zu beklagen: Maurizio Mastropietro legte nach der Saison sein Amt ebenfalls nieder.
Trotz der Tatsache, das Reinach vielleicht nicht immer die grössten Talente beschäftigen konnte, "stand die Mannschaft in harter Arbeit und Leidenschaft in Nichts nach", lobt Svensson. Er bedauert, dass er sich nicht bei allen persönlich bedanken konnte. "Denn viele Leute bedeuteten mir alles, das Team, der Verein, die Fans oder die Familie Hedlund." Aber auch die über 100 Kinder, die er jede Woche im Schulsport trainieren durfte. "Tack så mycket! Ich danke euch für alles!"








